Die Schätze liegen verborgen in den Schränken

Adrienne findet Stoffe und lässt sich von ihnen inspirieren. Manchmal finden die Textilien aber auch zu ihr. Zum Beispiel wenn Besuch kommt und etwas mitbringt. Wie kürzlich geschehen, als eine Nachbarin fragte, ob sie ihr altes Leinen vorbei bringen könne, um ihr daraus neue Kissenbezüge zu nähen. Sie freute sich, dass der alte Stoff aus ihrem Schrank dabei eine neue Verwendung findet.

In ihren Bildern zeigt Adrienne die Existenz des Klimawandels von seiner vermeintlich netten Seite.

In Zeitungsartikeln wird Klimawandel oft mit Fotografien von Mikroplastik, von dürren Landschaften oder auch von Polarbären auf schmelzenden Eisschollen bebildert. Fragt man die Textildesignerin nach ihrem Bild für den Klimawandel, ist sie der Überzeugung, dass man ihn nicht nur anhand von Katastrophenszenarien vermitteln kann, sondern auch mittels schöner Bilder. Blühende Wiesen im März und Schwalben im April sind nur zwei Beispiele für den Klimawandel, die uns zunächst als nette Nebeneffekte erscheinen. Für Adrienne zeigt sich der Klimawandel nicht nur in der Ferne bei den schmelzenden Eisschollen, den Plastikstrudeln auf dem Ozean. Die häßliche Fratze des Klimawandels präsentiert sich nämlich genauso direkt vor der Haustür. Mit ihren Bildern geht es ihr einerseits darum, die Schönheit warmer Frühlingstage mit den Folgen der Erderwärmung zu kontrastieren. Andererseits macht sie damit auch auf Reichtum aufmerksam, der in der mecklenburgischen Schweiz (noch) vorherrscht.

Adrienne sagt, sie wolle die Menschen mit ihrer Kunst aus ihrem eigenen Denken hervorlocken und ihnen Nähe zu ihrer unmittelbaren Naturumgebung vermitteln: „Guck dich doch mal um. Wenn die Nachbarn erst mal die Schönheit der Umgebung erkennen, dann haben sie vielleicht auch eine Motivation, sich um die Natur zu kümmern.“ Darin liegt das Potential der Kunst. Es geht darum, jenseits des Bekannten, neue Perspektiven des Alltages und der Umgebung wahrzunehmen.

Aus Alt mach Neu

Das schöne Kissen und die Sitzkissen sind aus alten Mangeltüchern genäht.

Dieser Gedanke der Nachhaltigkeit zeigt sich auch in der „Gebrauchskunst“, in den gestalterischen Arbeiten von Adrienne.  Sie legt großen Wert darauf Gegenstände zu nutzen, die schon vorhanden sind. Dabei verfährt sie nach dem Grundsatz, dass vieles was sonst weggeworfen wird, noch gut zu gebrauchen ist, wenn man nur ein bißchen Arbeit investiert. Sie schätzt die gebrauchten Dinge auch, weil sie schon in die Geschichten von Menschen eingebunden sind.

Adrienne berichtet uns von Familien, deren Schränke voll sind mit den schönsten  Stoffen, die aber weder selbst verbraucht, noch verkauft werden. “Warum sollten sie nicht benutzt werden?” fragt sie sich. Deshalb druckt sie ihre Motive auf altem Leinen und anderen Naturfasern. Besonders wichtig ist es ihr, dass dabei Stoffe aus der Region zum Einsatz kommen, vor allem solche, die sonst nur irgendwo rumliegen. Manchmal scheint es aber gar nicht so leicht zu sein, sich von Gewohntem oder auch von Gewohnheiten zu trennen.

Diese Form der Verwendung gebrauchter Dinge zieht sich auch durch den Alltag von Adrienne und ihr Mann Christian Kabuß. Sie benutzen Gegenstände, die jemand weggeworfen hat, wie Fahrradersatzteile aus dem Schrottkontainer und Materialen, die irgendwo gelagert werden und weiterverarbeitet werden können, einfach weiter. Genauso wie die Textilien, die sie bedruckt, schneidert und näht. Dabei muss oft gar nichts recycelt oder umfunktioniert werden. Die Gegenstände bekommen durch ihre Verwendung statt durch Verschwendung ein neues Leben.

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