Nachhaltigkeit ist für mich auch ein Lebensstil.

Debora Vichel kümmert sich neben ihrem Beruf auch ehrenamtlich um junge Leute, die irgendwie durch das Raster fallen. Sie verfolgt dabei den Traum von offenen Kulturräumen, in denen Gemeinschaft gestaltet werden kann.

Sie bietet uns Kaffee an und serviert ihn uns in kleinen weißen Tässchen, die mich an meine Oma erinnern. Der Kaffee ist ein wenig dünn, genau wie die Tassen, in denen er ausgeschenkt wird. Das schmeckt nach Familienfeiern, nach Zusammensein in Sälen. Auch im Pfarrgemeindehaus wird der Raum wird von langen Tischen durchzogen. Sie vervollständigen mein Bild, vom Zusammensein: von gemeinsamen Mittagesssen, Kaffeetafeln, Geburtstagen und Feierlichkeiten.

Es ist gerade Anfang Mai, der Frühling zeigt sich von der netten warmen Seite. Das Team von 1,5° ist auf dem Weg nach Teterow. Dort haben wir uns mit Debora verabredet. Wir treffen sie auf ihrem Arbeitsplatz in der Café Haltestelle des Sozialwerks der EFG Malchin-Teterow e.V, das sich im Pfarrgemeindehaus befindet. Sie begrüßt uns fröhlich. Drinnen herrscht gedämpftes Licht und wir sehen zunächst nur ein paar ältere Herrschaften. Vor ihnen leuchtet das Spiel Solitär hell auf den Computer Bildschirmen. Das Sozialwerk ist Träger für verschiedenste Projekte in der Region. Debora arbeitet zwar bei diesem Träger, als Streetworkerin ist sie aber selten an diesem Ort anzutreffen.

Zwischen Tansania und Teterow

Gemeinschaft ist für Debora wichtig. Sie ist während dem Studium viel gereist, hat an anderen Orten gearbeitet und gelebt. Dennoch entscheidet sie sich ganz bewusst, wieder zurück nach Teterow, in ihre Heimat zu kommen und engagiert sich seither neben ihren Aufgaben als Sozialarbeiterin ehrenamtlich für Projekte, in denen sich Jugendliche – auch  durch interkulturellen Austausch – näher kommen. Klar, es geht dabei auch darum, mal über den Tellerrand zu blicken. Es geht darum, sich neue Kulturen nicht nur passiv über die Alltagsmedien anzueignen, sondern sich aktiv mit neuen Menschen und deren Hintergrund, Lebensweise und Kultur auseinanderzusetzen. Getestet wurde die Annäherung innerhalb eines Austauschs zwischen Jugendlichen aus Tansania und Mecklenburg. Das Sozialwerk unterstützt die Verwirklichung der Idee. Globale Probleme wie Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind dabei fester Bestandteil des Austauschs zwischen den Jugendlichen. Es gibt vieles zu diskutieren. Warum ist es nicht immer nötig etwas neues zu kaufen? Und wie sehen coole selbstgemachte Sachen aus?

Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind eben auch eine Frage der Pädagogik.  Aus der Perspektive der Sozialen Arbeit auf die Klimakrise zu schauen, bedeutet für sie deshalb, sich mit seiner politischen und kulturellen Dimension auseinanderzusetzen. Im Alltag heißt das vor allem, so gut wie möglich zu versuchen, selbst ein Vorbild zu sein. Schließlich zählen die kleinen Dinge des Alltags: Mal mit der Brotdose einkaufen gehen, Essensreste verwerten statt wegzuwerfen usw.. Wie hoch die Ansteckungsgefahren sind, zeigt sich bei der eigenen Oma, die ihre Plastiktüten, jetzt auch auswäscht.

Es sind viele Baustellen, denen sich Debora gut gelaunt widmet.

Als sie vor einigen Jahren gemeinsam mit Freunden das Netzwerk PowerOn gründet, geht es zunächst nur darum Sommercamps für Kinder und Jugendliche  aus der Region anzubieten. In einem Nebenprojekt ist dann aber auch noch der Wundergarten entstanden – ein Gartenprojekt in dem zahlreiche Kinder mit viel Freude ein buntes Allerlei an Pflanzen heranziehen. Das Obst und Gemüse wird in den Sommercamps zu leckeren Gerichten weiterverarbeitet.

Innerhalb von beiden Formaten, In den Sommercamps und im Wundergarten, wird den Kids und Jugendlichen die Möglichkeit gegeben eigene Räume zu erobern, gemeinsam die Natur zu entdecken und sich selbst für kleine Projekte zu engagieren. Solche Projekte sind in Teterow rar gesät. Deshalb treffen sich viele Jugendliche im öffentlichen Raum. Sie erobern die Plätze und Straßen der Stadt und stoßen dabei nicht immer auf Gegenliebe. Doch was bleibt auch übrig, wenn es keine anderen Räume gibt, in denen Musik gehört werden kann, in denen es auch mal laut sein kann? Einen solchen Raum gilt es jetzt zu kapern, sich zu erobern und nach den Vorstellungen der Jugendlichen gemeinsam zu gestalten.

Was das alles mit Klimaschutz zu tun hat? Immer nur über Klimaschutz zu sprechen ist für Debora zu kurz gedacht. Mit ihren Bemühungen die Menschen vor Ort und überregional zu verbinden und eine Gemeinschaft, die untereinander kommuniziert und sich vertraut, entstehen zu lassen, schafft sie Nährboden für Engagement und aktives Mitgestalten. Nur wenn auf dieser Ebene das Miteinander funktioniert, ist die Motivation da, um andere Projekte und damit auch Klimaschutz in Angriff zu nehmen.