Über Bäume und Dächer

Mario Köpke aus Warsow klettert nicht nur auf Bäume, sondern auch auf Dächer. Beides ist klimaschonend. Warum? Lesen Sie selbst!

Mario wohnt mit seiner Familie auf einem großen Hof in Warsow. Als wir ihn im Sommer des Jahres 2019 besuchen, steht er gerade auf dem Dach des Nebengebäudes.

Gemeinsam mit anderen deckt er das Reetdach neu ein. Dafür verwendet er recyceltes Reet. Es stammt von einer alten Scheune auf Fehmarn. Während das Gebäude selbst abgerissen werden musste, kann das Reet nun nochmal genutzt werden. Reet wird heute oft aus China importiert und kann damit kaum mehr einen guten Klimaindex haben, weil die Transportwege via Schiff und Flugzeug klimaschädliche Emissionen verursachen.

“Früher waren alle Dächer in Warsow mit Reet gedeckt,” erzählt uns Mario. Die rund 1800 Bünde Reet werden jetzt von vornehmlich älteren Handwerkern fachgerecht aufs Dach gebracht. Unter jüngeren Handwerkern ist diese alte Kunst kaum mehr vorhanden. “Das ist ein aussterbendes Handwerk”, beklagt Mario.

Vom Boden aus hat man den Eindruck, dass es ganz schön abenteuerlich ist, so ein Dach zu Decken. Reetbündel fliegen von einem Arbeitenden zum Nächsten. Dass man dafür einen guten Gleichgewichtssinn und eine bestimmte Standsicherheit braucht, stellt für Mario kein Problem dar. Mario ist Baumpfleger und da gehört klettern nunmal zum Job.

Als Baumpfleger hat Mario ein enges Verhältnis zur Natur. Das merkt man nicht nur an den Laufenten, die auf dem Hof unterwegs sind, sondern auch daran, dass es auf seinem Hof viel Gartenfläche gibt. Auch in der Umgebung von Warsow gibt es viele Menschen, die sich für Klimaschutz und einen bewussten Umgang mit der Natur einsetzen und diese Grundsätze in ihren alltäglichen Gewohnheiten integrieren.

Aber es gibt auch viele Menschen, denen die Arbeit im Garten zu viel wird. Sie sind überfordert mit ihrem Alltag und damit, dass alles immer schneller gehen muss. Für Mario kein unbekanntes Problem. Er erzählt uns, dass er als Baumpfleger manchmal angefragt wird, alte Obstbaumbestände zu fällen, weil die Menschen den Baum nicht mehr wollen. Obstbäume machen Arbeit, denn das Obst muss gesammelt und verwertet, und der Baum gepflegt werden. Statt den Baum zu fällen, sich weißen Kies zu kaufen und den Garten damit aufzuschütten, plädiert Mario immer dafür, die Bestände zu schützen, anstatt sie zu stützen.

Sehr löblich finden wir das, denn das ist nicht nur für die Landschaftsästhetik ein Segen, sondern auch für das Klima, die Insekten und das gesamte ökologische System.

Auch als Baumpfleger sucht er sich deshalb Kollegen, mit denen er die Zusammenarbeit nach diesen ethischen Maximen gestalten kann und nicht nach deren Studienabschlüssen. So erzählt er uns, dass er vor kurzem mit einem Bootsbauer und einem Tischler zusammengearbeitet hat. Neben all diesen Aufgaben hätte Mario hätte gerne mehr Zeit, um Birkensaft und Holundersaft zu machen. Vielleicht haut das ja nächstes Jahr hin, wenn das Dach gemacht ist. Wir drücken die Daumen!